Gestern habe ich etwas gesehen, was mich nachdenklich gemacht hat. Wir haben hier von den Ausläufen unserer Pferde aus einen guten Blick auf die nahe Landstraße. Dort geht eine Brücke über einen Fluss. Neben dieser Brücke geht auch ein Fußweg über den Fluss, es ist aber natürlich recht eng, denn der Fußweg ist auf der einen Seite von einer Leitplanke begrenzt und auf der anderen vom Handlauf. Gestern ritt eine Frau über diese Brücke. Weil ihr der Fußweg wahrscheinlich zu eng war, nutze sie die Straße. Und damit es schneller geht, ließ sie ihr Pferd traben. Und während das Pferd nun recht flott über die Brücke trabte, saß sie aus. Dabei “hoppelte” sie ziemlich auf dem Pferd rum, das heißt sie fiel dem Pferd bei jedem Schritt in den Rücken.
Ihr kennt dieses Bild sicher. Oft sind das Reiter, die noch nicht lange reiten. Oft hört man aber auch “Das Pferd ist halt schlecht zu sitzen”. Nun möchte ich gerne einige Gedanken dazu loswerden, wie man dieses “Hoppeln” zumindest etwas vermindern kann. Denn es ist unbequem für den Reiter und es schmerzt das Pferd! Aufgrund des Schmerzes wird das Pferd den Rücken eher noch mehr wegdrücken und demnach wird der Reiter dann in der Regel auch noch stärker hoppeln, das Problem vergrößert sich also noch.
Was kann man tun?
Ich beginne mal mit dem Einfachsten: Leichttraben! Wenn das Aussitzen noch nicht klappt, dann kann man leichttraben! Gerade in der Szene wie oben beschrieben, wenn man allein einen Ausritt macht, dann hindert einen niemand daran und es erleichtert dem Pferd das Laufen! Dieser Tipp bedeutet natürlich, dass ihr mit einem normalen Sattel reitet, was ja auch nicht zwingend der Fall ist.
Wenn man unbedingt aussitzen möchte (oder auch in der Zeit des Übens): Etwas stärker nach hinten lehnen. Sieht zwar nicht so toll aus, hilft aber. Denn das Becken kippt dadurch in eine andere Haltung und das Pferd hat es leichter, das Becken des Reiters einfach in die Bewegung mitzunehmen und dann kommt das Hoppeln gar nicht erst zustande. Und nicht ganz so gut auszusehen sollte man ruhig in Kauf nehmen, wenn man es dadurch dem Pferd erleichtert!
Die weiteren Tipps erfordern entweder etwas mehr Zeit oder etwas mehr Aufmerksamkeit und Übung.
Man sollte langfristig auf jeden Fall an der Beweglichkeit des Beckens arbeiten! Lass Dich zur Übung einfach mal im Schritt von Deinem Pferd tragen, schließe die Augen und fühl mal einfach rein, wie das Pferd Dein Becken hoch und runter bewegt. Lerne einfach, Dein Becken vom Pferd bewegen zu lassen.
Üb das auch beim Laufen oder besonders gut beim Tanzen! Beweg die Hüften bewusst, lass sie kreisen, Achten beschreiben, was auch immer. Achte beim Laufen darauf, einfach nur die Hüften zu bewegen und den Oberkörper still zu lassen. Hab Spaß dabei!
Wenn Du bemerkst, dass Dir dabei Muskeln weh tun oder Du Dich wirklich unbeweglich fühlst: Gönn Dir doch mal eine Rückenmassage!
Auch Sport kann dabei natürlich gut helfen! Zum Beispiel ein Bauchtanzkurs oder auch langsame Bewegungen, die das Bewusstsein im Körper fördern wie Tai Chi oder Qi Gong.
Mach Dir auch Deinen Körper und Dein Becken immer mal wieder bewusst, wenn Du auf dem Pferd sitzt. Entspann Dich bewusst. Lass locker. Denk einfach an Dein Becken, geh mit der Aufmerksamkeit dorthin und beobachte einfach, was geschieht und ob das Reiten dadurch leichter und einfacher wird. Für mich war dieser Lernschritt eine Offenbarung, endlich hab ich vieles begriffen und gerade auch wirklich unabhängige Hilfengebung wird erst mit einem entspannten, bewussten Körper möglich!
Nun aber noch ein kurzes Wort zu diesen Pferden, die angeblich schlecht zu sitzen sind. Da steckt häufig ein verspannter Rücken bzw. ein verspanntes Pferd dahinter. Es lohnt sich und ist auch wirklich notwendig, dass man sich damit beschäftigt, wie das Pferd läuft und ihm bessere Arten zeigt und Anregungen gibt, wie es sich gesund bewegen kann. Dazu kann Physiotherapie gehören, Massagen, durchdachtes Training, eine Sattelkontrolle, es gibt da viele Faktoren, die man bedenken muss. Je länger ein Pferd schon verspannt und ungesund läuft, desto mehr und länger wird man damit zu tun haben, es wieder zur Entspannung zu bekommen. Klar ist: Wenn der Rücken des Pferdes mitschwingt, entspannt ist und die Muskeln arbeiten können, dann ist das Pferd mindestens wesentlich leichter zu sitzen.
Und das möchte ich einfach noch gerne als letzte Anmerkung loswerden: Frag Dein Pferd vor jedem Aufsteigen, ob es das möchte. Wenn es wegrennt, wenn es zum Beispiel den Sattel sieht, dann ist das ein deutliches Zeichen! Verspannte Pferde, denen das Reiten weh tut, die zeigen das in aller Regel. Manchmal nur nicht so deutlich, sondern indem sie beim Satteln mit dem Schweif schlagen, sich nicht fangen lassen oder ähnliches. Achte auf solche Anzeichen und reagiere entsprechend! Am schönsten ist es nämlich, sich selbst und den Umgang mit dem Pferd so zu verändern, dass dem Pferd das Geritten werden Spaß macht und etwas bringt! Das ist auch gar nicht so schwer!
Alles Gute
Marina