Die Befreiung von Tanzbären

Vor einigen Tagen habe ich eine Reportage über Tanzbären gesehen. Ich weiß nicht mehr genau, welches Land es war, auf jeden Fall in Osteuropa. Es ging darum, dass die Vorführung dort jetzt verboten ist und deswegen hat eine Tierschutzorganisation die Bären übernommen und in einen Bärenpark gebracht. Die Familien, die vormals mit den Tanzbären ihren Lebensunterhalt bestritten haben, haben auch eine Ablösung von umgerechnet 1000Euro für die Bären bekommen.

Nun haben diese Bären als Tanzbären unsägliches Leid erfahren. Ringe durch die Nase, manchmal durch den Kiefer, an denen gezogen wurde, die manchmal auch rausrissen, immer wieder neu gemacht wurden. Stöcke kamen zum Einsatz und möglicherweise sogar heiße Platten, um den Bären das Tanzen beizubringen. Durch die Armut waren die Bären auch schlecht ernährt. Wie auch immer: Das Leid der Tiere ist einfach riesig und der Umgang mit ihnen einfach grausam!

Doch was sehr auffällig war: Den Menschen ging es auch sehr schlecht. Nicht nur materiell. Es wurde auch zu viel Alkohol getrunken, man sah Familienmitgliedern mit den Kindern schreien, alles wirkte sehr grob. Teilweise waren die Grundstücke richtige Müllhalden, auf denen die Bären lebten, aber auch die ganze Familie. Und nicht nur Futter für die Bären war knapp, auch die Familien hatten wenig zu essen.

Was will ich damit deutlich machen? Mir wurde beim Schauen des Films nochmal bewusst, dass jemand, der grausam mit Tieren umgeht, selbst auch unglaublich leiden muss. Ich will nicht sagen, dass das den Menschen bewusst ist (dann müssten sie womöglich gar nicht mehr schlecht mit den Tieren umgehen!). Aber wieviele schlechte, abwertende, beängstigende Gefühle und existenzielle Ängste werden in diesen Menschen sein? Wie wird der Druck sein, der subjektiv gefühlt wird? Und wie oft muss der Druck irgendwohin und entlädt sich beim schwächsten Glied, bei Kindern, Tieren?

Es geht mir auch nicht darum, das Leid der Bären abzuwerten. Diese Tiere sind Opfer, mit denen ganz ganz furchtbar umgegangen wurde. Was ich möchte ist, den Blick auch auf die Täter auszuweiten. Denn egal ob die Bären da jetzt raus sind: Es gibt immer die Möglichkeit, dass der Mensch sich ein neues Tier kauft und dieses dann wiederum unsäglich leidet. Und das kann man nur verändern, wenn man bei den Tätern etwas verändert. In diesem Falle ist das sicherlich eher schwer, die Menschen dort sind sicherlich auch sehr gefangen in Arnut und Leid. Aber auch vor unserer Haustür gibt es Tierleid mit dazugehörigen Tätern, die sicherlich auch ihr Päckchen zu tragen haben.

Wenn jetzt jemand sagt: “Was für ein Blödsinn, manche Menschen sind einfach so, die leiden dabei nicht!” kann ich nur sagen: Vielleicht leiden diese Menschen nicht bewusst (und was unbewusst ist, kann man nunmal nicht deutlich zum Ausdruck bringen). Aber alles in Ordnung ist bei diesen Menschen ganz sicher auch nicht. Denn man kann ja die Gegenprobe machen: Ist es denkbar, dass jemand, der zufrieden, glücklich, bewusst, friedlich, reflektiert, liebevoll und offen ist, der sich selbst mag und sogar liebt, ein Tier so unsäglich leiden lässt? Ich muss dann an den Dalai Lama denken und für mich ist es unvorstellbar, dass so jemand so grausam mit Tieren umgehen könnte. Einfach auch, weil so jemand begriffen hat, dass jedes Lebewesen glücklich sein möchte.

Alles Liebe
Marina

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