Gerade habe ich nun diesen neuen Blog und nun habe ich schon kaum noch Zeit um zu schreiben…
Meinem Hund Ikarus geht es nicht gut. Seine Leber arbeitet nicht so, wie sie sollte. Näheres werde ich nach einem Ultraschall erfahren. Es sieht aber nicht gut aus für ihn.
Ich habe beschlossen, dass es an der Zeit ist, jeden Moment mit Ikarus zu genießen. Was auch immer kommt, wenn wir die Zeit miteinander gerne und gut verbringen, dann fühlen wir uns beide wohl. Es macht den möglichen Abschied nicht leichter, aber es macht ihn erträglicher. Denn wenigstens haben wir dann das einzige getan, was man aus meiner Sicht vor dem Tod am besten tun kann: Das Leben genießen, Dinge tun, die einem Spaß machen, miteinander spielen, lachen, Freude haben.
Sicherlich geht das nicht immer und nicht in jedem Moment. Dennoch merke ich, in dem Moment, wo man den Tod schon spüren kann, da verlieren viele andere Dinge ihre Wichtigkeit. Ikarus hatte sein Leben lang einen Dickkopf. Er hat mich auf dem Hundeplatz manchmal regelrecht blamiert. Er bettelt heute noch am Tisch. Das alles sind Sachen, die mich in dem Moment schier wahnsinnig machen können. Und nun, aus verändertem Blickwinkel? Was macht es schon, wenn der Hund dickköpfig ist und nur zu 75% hört und nicht zu 100% (wenn er dabei und damit niemandem schadet)? Ist es wirklich dramatisch, wenn der Hund hin und wieder mal bettelt? Und was macht es, wenn er sich hin und wieder seine Späße auf dem Hundeplatz erlaubt hat? Scherzt nicht jeder mal in einem unpassenden Augenblick?
Kein Mensch ist perfekt. So ist auch kein Hund und kein anderes Tier perfekt. Dennoch erscheint es mir oft so, als ob wir von den Tieren mehr Disziplin und Gehorsam verlangen, als wir selbst haben. Jedenfalls geht es mir so, wenn ich Ikarus und mich betrachte: Wir ähneln uns schon sehr. Und von irgendwem wird er seine Art schon haben…
Und ich selbst bin ein undisziplinierter Mensch, der meistens nur 75% gibt, weil er gelernt hat, dass das ausreicht… Ich glaube, das habe ich an meinen Hund weitergegeben!
Ich merke heute, dass mir die schönen Augenblicke mit meinem Hund sehr viel mehr bedeuten als die Augenblicke, in denen ich ärgerlich und wütend auf ihn war (und so gerne ich immer ruhig geblieben wäre, ich war eben auch mal ärgerlich und wütend). Ich bin dankbar dafür, dass wir noch Zeit miteinander haben und ich habe Angst vor der Untersuchung, die uns seine Prognose verraten kann. Ich hoffe, dass wir noch eine Weile miteinander haben. Und selbst, wenn es ganz harmlos ausgehen sollte und wir noch Jahre haben: Ich hoffe, ich denke ab jetzt immer daran, dass es vor allem darum geht, miteinander in Kontakt zu sein und das, was man tut, mit Freude zu tun. Ich hoffe, dass die Dinge, die wir gemeinsam unternehmen, ihm ebenso viel bringen wie mir. Denn auch das ist mir sehr wichtig: Das Tier sehen und auch genau hinschauen, was das Tier sich wirklich wünscht und woran es Spaß hat. Tiere sind keine unmündigen Wesen. Sie können uns allerhand zeigen und beibringen. Und sie können auch Verantwortung für sich selbst übernehmen. Sie brauchen uns Menschen dennoch, denn sie leben in einer menschlichen Welt. Trotzdem muss man ihnen nicht jede Entscheidung abnehmen und man muss nicht immer Gehorsam und Disziplin verlangen.
Ich wünsche allen, dass sie ausreichend Freude, Spiel und Spaß mit ihrem Tier teilen, um auch schlechte Tage zu überstehen!
Liebe Grüße
Marina