…um spielerisch das Vertrauen zu meinen Pferden zu vertiefen?
Was kann ich tun, damit ich nicht immer so ernst werde?
Diese beiden Fragen beschäftigen mich seit einigen Tagen. Eines meiner größten Probleme im Umgang mit den Pferden ist, dass ich oft sehr ernst werde, an einer Übung festhalte, etwas unbedingt “eben kurz” dem Pferd zeigen möchte. Damit gehe ich dann meistens total am Pferd vorbei.
Szabanac und Sam können damit beide ganz gut umgehen. Szabi entzieht sich mir und dadurch merke ich sofort, dass ich einen Fehler mache und bin wieder bei ihm. Sam bleibt einfach stehen und bewegt sich nicht mehr und reagiert auf nichts mehr. Damit komme ich dann auch wieder auf den Boden der Tatsachen, kann durchatmen und dann können wir es erneut versuchen oder was anderes machen. Die beiden verlieren dadurch auch nicht das Vertrauen und hinterher ist alles genauso wie vorher. Die beiden nehmen meinen Fehler hin, korrigieren mich und wir können weiter machen. Da ist es kein Drama, dass ich manchmal eben so bin.
Anders ist es bei Waterloo. Waterloo ist mein Pferd seit er ein Fohlen ist. Ich habe bei ihm alle Fehler begangen und das waren teilweise sehr schlimme. Ich habe sein Weltbild geprägt und ein einziges Mal auch völlig zerstört. Seitdem arbeiten wir daran, dass wir uns gegenseitig wieder vertrauen. Nachdem ich nämlich seine Sicht auf Menschen zerstört hatte (die Geschichte erzähle ich ein anderes Mal) war er jahrelang ein wirklich schwieriges Pferd. Er ließ sich nicht führen, hat Zäune eingerissen wenn man etwas von ihm wollte und hat auch durchaus gezielt Menschen angegriffen, die ihm nicht geheuer schienen oder etwas von ihm wollten.
In diesen Momenten, in denen ich am Pferd vorbei denke, kommen bei Waterloo alle diese alten Gefühle hoch. Wir sind dann beide nicht mehr in unserer Mitte und deswegen ist das dann eine recht angespannte Situation. Er wird misstrauisch, ich ärgerlich, weil er sich nicht mal eben kurz auf meinen Vorschlag einlassen kann, er wird noch misstrauischer, überlegt schon, wie er am besten flüchten kann, ich bemerke es, bekomme ein schlechtes Gewissen, damit kann er aber auch nicht umgehen usw. usf. …
Ich glaube, dass viele Reiter und Pferdemenschen diese Situationen kennen, in denen man nicht mehr in seiner Mitte ist und wenn die Dinge dann deswegen aus dem Ruder laufen.
Ich habe für mich nun überlegt, was ich in den Momenten tun kann, um aus der (angespannten) Rolle zu fallen und stattdessen wieder in die Rolle eines vertrauenswürdigen, freundlichen, entspannten Menschen zu kommen.
Mir sind da folgende Dinge eingefallen:
-In ein Spiel übergehen, z.B. ein Laufspiel, um die Anspannung wieder loszuwerden.
-Mit dem Ball spielen (weil Waterloo das sehr liebt).
-ihm eine Idee unterbreiten, die uns beiden sehr vertraut ist und die wir deswegen auch angespannt hinbekommen (oder z.B. ein bißchen Wut über die Situation rauslassen, indem wir gemeinsam irgendwo gegen treten…)
-Leckerlies füttern (Fressen entspannt… und entschuldigt manchmal auch)
-einfach stehenbleiben, durchatmen, in mich gehen und zu mir kommen
Fallen Euch noch mehr Dinge ein? Kennt ihr solche Situationen überhaupt? Ich würde mich über Kommentare, Anmerkungen und Anregungen sehr freuen.
Liebe Grüße
Marina