Grundsätze

In den letzten Tage habe ich mir ein paar Gedanken darüber gemacht, was eigentlich für mich die Grundsätze der Pferderarbeit sind, die in jeder guten Arbeit vorhanden sein müssen.

Zum einen denke ich, dass es ganz wichtig ist, dass das Pferd immer die höchste Autorität ist. Dazu muss ich natürlich als allererstes lernen, mein Pferd zu “lesen”. Einige Menschen haben das wirklich gut drauf. Gerade wenn man Jahre mit seinem Pferd verbracht hat, dann sieht man ihm einfach an, was es gerade fühlt. Mit etwas Einfühlungsvermögen ist das auch möglich, wenn ich das Pferd noch nicht sehr lange kenne. Aber, das ist eine Tatsache, nicht jeder Mensch hat ganz viel Einfühlungsvermögen. Das ist auch gar nicht schlimm. Aber was machen denn solche Menschen?

Es gibt einen ganz einfachen Weg, wie wirklich jeder erkennen kann, was das Pferd will. Man zeigt dem Pferd, dass es Ja und Nein sagen darf. Und wenn das Pferd dann gelernt hat, dass es stehen bleiben darf, wenn es nicht mehr möchte, dass es den Kopf wegdrehen darf, wenn es etwas blöd findet, dass es in Mimik und Gestik deutlich zeigen darf, was es mag und was nicht, dann wird es ganz einfach, zu erkennen, was das Pferd möchte.

Ein Beispiel dazu: Gestern habe ich ein Gespräch angehört, in dem es darum ging, dass ein Pferd beim Aufsteigen nicht still steht. Es wurde dann darüber diskutiert, was man machen kann.
Ich würde mich nicht fragen, was ich machen kann, damit das Pferd still steht. Ich würde mich erstmal freuen, dass das Pferd so deutlich darauf hinweist, dass etwas nicht stimmt. Als nächstes würde ich mich dann fragen, warum das Pferd denn nicht stehen bleibt beim Aufsteigen. Passt der Sattel? Die Trense? Steige ich mit Hocker o.ä. auf um es dem Pferd möglichst leicht zu machen? Wie ist das Reiten? Reite ich ohne dem Pferd Schmerzen zu bereiten? Was für ein Gebiß benutze ich? Hat mein Pferd Rückenschmerzen? Sind alle Muskeln in Ordnung? Und so weiter und so fort. Und dann würde ich anfangen, dem Pferd auch andere Dinge anzubieten. Will es allgemein nicht mit dem Menschen zusammenarbeiten oder möchte es nur nicht geritten werden? Verstehen wir uns?
Durch dieses Vorgehen würde das Pferd merken, dass ich seine Einwände ernst nehme. Es kann sich auch weiterhin gefahrlos äußern und ich nehme es wahr und ernst. So kann eine ganz besondere Basis entstehen und der Umgang miteinander macht auf diesem Wege beiden Spaß!

Ich finde es auch wirklich wichtig, dass das individuelle Pferd-Mensch-Paar entscheidet, was für diese beiden richtig ist. Es gibt viele starre Konzepte und Vorgaben. Die sind gut zur Orientierung. Aber zur Umsetzung sollte ich mir immer überlegen, ob es zu mir und meinem Pferd so passt oder ob wir das lieber etwas umändern sollten.
Auich Tipps vom Reitlehrer sind nur dann gut, wenn mein Pferd und ich uns damit wohlfühlen. Wenn ich bei einem Tipp Bauchschmerzen bekomme, dann wende ich diesen Tipp nicht an! Das ist ja eigentlich ganz einfach, aber leider nicht immer so leicht durchzusetzen, wenn man in der Reitstunde ist. Ich finde es aber wichtig, daran zu denken, dass ich als Pferdebesitzer und Reiter letztlich immer die Wahl habe, was ich umsetze und was nicht. Und das muss mir auch jeder Reitlehrer und Pferdetrainer zugestehen, dass ich nur das mache, womit ich mich wohlfühle.

Denn die Individualität sollte immer im Vordergrund stehen. Jeder Mensch ist anders, jedes Pferd ist anders. Und deswegen passt nicht jeder Tipp, nicht jeder Reitstil und nicht jede Übung zu jedem von uns. Und das ist ja auch gut so. Wenn ich mich danach richte, was mein Pferd gut findet und durch sein Verhalten bejaht, dann habe ich eine sehr, sehr gute Richtschnur, an die ich mich halten kann. So wird dann das glückliche Pferd nicht zu einer netten Floskel, sondern zu einer gelebten Tatsache. Und das wünsche ich jedem Pferd!

In diesem Sinne wünsche ich euch bei dem schönen Wetter tolle Stunden mit eurem Pferd!

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